„Wir müssen miteinander reden, um zu Lösungen zu kommen“

Claudia Riedl arbeitet im EU-Projekt RisKLIM an praktischen Lösungen für eine klimaresiliente Zukunft. In welchen Monaten braucht es 2030 überhaupt noch Schneeräumfahrzeuge braucht. Ein Gespräch über das Finden von Lösungen finden.

Wie wird man denn von der Meteorologin zur Klimakommunikatorin?

Bei uns in der Bundesanstalt für Klimatologie gibt es Klimawandelberater*innen und die werden speziell ausgebildet. Erstens müssen wir fachlich stark sein und es wird uns beigebracht, wie wir diese Fakten an die Bevölkerung kommunizieren. Also, dass sie beim Empfänger auch so ankommen, wie wir uns das als Sender wünschen.

Und wie macht man das?

Wir als Wissenschaftler*innen fangen oft viel zu hoch an im Thema. Wir müssen ganz an der Basis, mit ganz einfachen Botschaften anfangen. Und man darf die Leute nicht ängstigen. Sobald die Leute Angst haben, entsteht eine Blockade. Man muss es immer positiv vermitteln. Früher hat man von Risiken gesprochen. Inzwischen hat sich das gewandelt. Wir reden von den Chancen, die uns das Ganze bietet. Man muss es anschaulich rüberbringen.

Ist es eine Verfälschung, wenn man jetzt von Chancen statt von Risiken redet?

Das denke ich nicht, weil wenn wir immer nur von Risiken sprechen, dann schalten die Leute komplett ab. Es ist interessant: Bei meinen Vorträgen rede ich von den Chancen und von den Anpassungsmaßnahmen. Aber in letzter Zeit hat immer einer aus dem Publikum die Schlussfrage gestellt, warum wir nichts für den Klimaschutz tun. Das heißt, es kommt aus der Bevölkerung eh die Frage. Dann schauen viele im Publikum betreten weg, weil sie es alle wissen. Aber es wurde ihnen dann noch einmal gesagt, aus ihren Reihen. Und es wissen eigentlich alle, was zu tun ist. Wir sind nur zu bequem, es umzusetzen.

Ums konkrete Umsetzen geht es in Ihrem aktuellen Projekt RisKLIM in Schneizlreuth im Berchtesgadener Land, Unken bei Salzburg und Ramsau in Niederösterreich. Wie funktioniert das?

Wir haben da sogenannte Reallabore. Wir fangen mit Workshops an. Da hat man von der Krankenpflegerin über Bergretter und Landwirte bis zum Bürgermeister alle beisammen. In den Workshops geht es darum, wie sich der Klimawandel auf ihre Arbeit auswirkt. haben auch Leute erreicht, die von sich aus nicht aktiv was sagen würden. Es ist auch eine Persönlichkeitsfrage, oder? Aber wenn diese Personen aktiv anspricht: Was ist jetzt deine Idee? Dann sagen sie etwas. Wir müssen dabei natürlich aufzeigen, wo die Grenzen sind.

Welche Grenzen?

Ein Beispiel für eine Fragestellung ist: Brauche ich in Zukunft noch Schneeräumfahrzeuge im November? Am liebsten hätten sie die Vorhersage, ob es sich auf der linken Talseite anders ändert als auf der rechten Talseite. Aber in der Klimaforschung reden wir immer von Kilometern. Aber das lässt sich nur durch die direkte Kommunikation lösen.

Was sind die nächsten Schritte?

Nächste Woche ist die nächste Veranstaltung. Da machen wir ein sogenanntes Marktplatz-System. Wir haben da Plakate hängen mit Abbildungen und Aussagen zum Klimawandel. Also die, die wir jetzt schon liefern können. Wir haben drei Themen herausgesucht, wo wir eine Lösung sehen. Da zeigen wir ihnen, welche Daten es gibt und welche wir generieren können. Dann reden wir darüber. Darüber, welche Produkte sie sich konkret von uns wünschen. Welche Klimawandelservices sozusagen. Die werden dann im nächsten Prozess erstellt.

Als Beispiel kurz zurück zu den Schneeräumfahrzeugen – so ein Produkt oder Klimawandelservice könnte dann eine bildliche Ampel sein? Oktober 2030: grün, da braucht es keine, November: orange, da vielleicht?

Ja, das ist ein super Beispiel, wie das Ganze wahrscheinlich ablaufen wird.

Wofür braucht es solche Projekte?

Damit wir die Sorgen der Leute kennen und die Probleme, vor denen sie stehen. Kommunikation ist einfach das Um und Auf für uns Menschen. Wir müssen miteinander reden, um zu Lösungen zu kommen. Und da ist es super, wenn man im Rahmen so eines Projekts die Möglichkeit hat, direkt mit Menschen, die es betrifft, zu sprechen. Also es betrifft uns alle, aber so spricht man eben auch mit Menschen, die aus anderen Berufen kommen. Da verlässt man hoffentlich seine Blase ein bisschen mehr als bei dieser Veranstaltung.

Redaktion: Luisa Gohlke
Kategorie: Artikel
Datum: 24.6.2026

Das könnte Sie auch interessieren!

Advisory Board

Rund um das Organisationsbüro wurde ein Team aus VertreterInnen verschiedener Disziplinen gebildet, die alljährlich ein hochwertiges Programm garantieren. Teil dieses Teams sind PD Mag. Mag. Dr. Andrea Fischer (Glaziologin, Wissenschaftlerin des Jahres 2023) und Univ.-Prof. Dr. Ralf Roth (Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Outdoor Sport und Umweltforschung).

 

Presenting Partner

Die Region Tiroler Zugspitz Arena und die Tiroler Zugspitzbahn sowie die Lebensraum Tirol Gruppe mit ihren Tochtergesellschaften Agrarmarketing Tirol, Standortagentur Tirol und Tirol Werbung unterstützen den AlpenKlimaGipfel und ermöglichen die Gespräche und den Austausch auf der Tiroler Seite der Zugspitze. Für die Organisation der Veranstaltung zeichnet sich die Agentur ProMedia Kommunikation aus Innsbruck verantwortlich.

Organisation

ProMedia Kommunikation GmbH
Bruneckerstraße 1
A-6020 Innsbruck
T +43 512 214004-14
alpenklimagipfel.jetzt

Kontakt

AlpenKlimaGipfel
ImpressumDatenschutzPresse

Presenting Partner

Sponsoren

powered by webEdition CMS